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Works > Vis à Vis (2021)

Exhibition at Gallery Baturina 







As part of the exhibition Vis à Vis, artists Jieun Kim and Kay Yoon present the progress of their interconnected artistic practices. This includes tracing the processes of forgetting and consuming time, as well as gathering and extracting material and immaterial elements of a memory to present them as independent materials in an archival context. The term Vis à Vis refers not only to a gesture of confrontation and comparison of two different perspectives on something, but also to a way of describing a subject through this double perspectivization. With this means, the artists pose the question of the relationship between space, time and light.



A delayed Whisper, 2021, Video projection, 1 min 14 sec



Kay Yoon & Jieun Kim// Vis-a-Vis 

01.10. – 30.10.2021

Vernissage: 01.10.,  18 - 22 Uhr
Finnissage: 30.10

Das Archiv ist eine Arche, in der Teile der Vergangenheit verwahrt werden, es dient als vereinfachendes Prinzip für die Gegenwart und ist auch eine potenzielle Heimat für die Zukunft. Durch die Auseinandersetzung mit dem Wesen der Zeit - das Material, das ursprungslos und ungreifbar erscheint - präsentieren die beiden Künstlerinnen ihr einzigartiges Archiv von Zeitgefügen. Zu den Archivobjekten gehören Erinnerungs-, Farb- und Landschaftsfragmente, die in verschiedenen (dis)kontinuierlichen Sequenzabfolgen und Lichtkonstellationen neu gedacht, erinnert und erlebt werden.

In dieser Ausstellung Vis à Vis stellen die Künstlerinnen Jieun Kim und Kay Yoon den Fortschritt ihrer miteinander verbundenen künstlerischen Praxen vor. Dazu gehört es, die Prozesse des Vergessens und Verbrauchens von Zeit nachzuvollziehen, sowie materielle und immaterielle Elemente einer Erinnerung zu versammeln und zu extrahieren, um sie als eigenständige Materialien in einen Kontext des Archivs darzustellen. Der Begriff Vis à Vis bezieht sich nicht nur auf eine Geste der Konfrontation und des Vergleichs zweier unterschiedlicher Perspektiven auf etwas, sondern auch auf eine Art und Weise, durch diese Doppelperspektivierung ein Subjekt zu beschreiben. Mit diesem Mittel stellen die Künstlerinnen die Frage nach dem Verhältnis von Raum, Zeit und Licht.

Jieun Kims Werke sind am deutlichsten tagsüber zu erkennen. In Form einer Serie präsentiert sie eine Sammlung von Farben und Zeichnungen von ihr. Unter dem Licht sind lebendige Farbpigmente zu sehen, die von alltäglichen Gegenständen, Produkten und Artefakten stammen. Die Archivobjekte wurden per Kamera aufgenommen, auf Papier gefärbt und per Hand zusammengestellt. Mit dem Archiv wird die Spannung und / oder Verbindung zwischen den Farben aus dem Alltag der Künstlerin und deren Umsetzungen und Verwendungen in ihrer Malerei aufgezeigt. 

Bei Kay Yoons neuer Arbeit “A delayed Whisper” funktioniert selbst als eine Art Archiv von vergangenen Momenten und als ein Ort, an denen diese Erinnerungen in der Gegenwart andauernd wiederholt werden. In einer Stop-Motion-Animation wird die Landschaft metaphorisch so dargestellt und wiedergegeben, wie wir uns tatsächlich an Vergangenes erinnern — Teile fügen sich zusammen wie ein großes Puzzle, wirken gleichzeitig verzerrt oder fragmentiert und es entsteht wiederum eine neue Form von (Dis)Kontinuität. Mit einer exzessiven Loopsequenz versucht die Künstlerin die Landschaft vor dem Vergessen zu bewahren und durch die ewige Wiederholungsbewegung zu materialisieren. Das Medium der immateriellen Videoprojektion macht diese Arbeit dabei außerdem zerbrechlich. Je nach Sonneneinstrahlung und Tageszeit reagiert sie auf die Faktoren Licht und Zeit, was auch die Verletzlichkeit und Kontextabhängigkeit unserer Erinnerung zum Ausdruck bringt.

Text: JonasM.Mölzer








Kindheit, 2021, Cloth and Aluminium, 55 x 80 cm





Flyer: Sohyun Lee