Works  >  Furry Organ
Group Exhibition: Soft Echoes, Solid Structures, 2019, Akademie der bildende Künste, Nürnberg
Features Works: Furry Organ, Epidermis I, Epidermis II




Furry Organ, 2019, Video Installation, Hair and TV Monitor, 36 x 85 cm
                             
   

Epidermis I, 2019, Fake Nails and Epoxy, 60 x 60 cm (left)
Epidermis II, 2019, Fake Nails and Epoxy, 60 x80 cm (right)


Exhibition View

">Furry Organ< weist mit der doppelten Geste der Offenbarung und Verschleierung auf das Spannungsverhältnis zwischen Intimsphäre und Öffentlichkeit hin. Das Gesicht verhüllt sich und präsentiert sich gleichzeitig dynamisch und konfrontativ. Indem es den Blick von außen zulässt und doch die Kontrolle über ihn behalten will, tritt es mit den Rezeptionserwartungen der Betrachterinnen und Betrachter in Dialog und eröffnet mit jeder Wiederholung seines Wimpernschlags eine neue Möglichkeit der Anschauung."

Möglicherweise haben wir beim Versteckspiel als Kind selbst einmal gedacht (oder gehofft), dass uns niemand sehen kann, wenn wir einfach die Augen schließen. Um das Verstecken geht es auch in der Arbeit der koreanischen Künstlerin Kay Yoon. Es ist ihr eigenes Gesicht in einer Nahaufnahme, welches hinter langen schwarzen Haaren mehr oder weniger verborgen ist und den zentralen Teil einer Rauminstallation darstellt. Präsentiert wird dieses Gesicht auf einem Monitor. In Stop-Motion-Technik hat Kay Yoon eine Endlosschleife erstellt. Ihre Bewegungen sind jedoch auf das Schließen und Öffnen der Augen in unterschiedlicher Geschwindigkeit reduziert. Das doppelte Versteckspiel hinter dem Vorhang aus Haaren und den geschlossenen Lidern wird in der Installation um eine dritte Ebene erweitert. Der Monitor befand sich während der Ausstellung direkt neben einer Tür, deren geöffneter Flügel ihn abschirmte. Allerdings gab es beim Eintreten einen kleinen, unscheinbaren Hinweis für aufmerksam Beobachtende: Am unteren Rand des Türblattes schaute ein schwarzes Haarbüschel hervor. Wer dann neugierig um die Ecke schaute, entdeckte die Videoinstallation.
Die am Monitor angebrachten Haare wirken zugleich wie die reale Frisur des digitalen Videobildes. Sie machten den flachen Monitor zu einem körperlichen Objekt, wobei sie den Eindruck einer Perücke, eines künstlichen Körperteils erweckten. Das Gesicht bekam etwas Unwirkliches, es schaute uns wie aus einem Zauberspiegel an. Das (reale) Verstecken durch das Haarteil trifft auf den Mythos des Verschwindens in eine andere Dimension. Das „pelzige Organ“, wie der Titel übersetzt werden könnte, bezeichnet treffend ein Gegenüber, das zur beobachtenden Interaktion einlädt und dennoch verstörend in seiner „versteckten“ Präsenz bleibt.

Text: Jochen Meister